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Über die Feuerwehr Neu Wulmstorf

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Eine besondere Stellung im Gemeinschafts- bzw. Vereinsleben bilden die Freiwilligen Feuerwehren. Während in den Großstädten das Rettungs- und Löschwesen durch eine Berufsfeuerwehr geregelt wird, übernehmen in den Gemeinden freiwillige Einrichtungen mit vielen ehrenamtlichen Helfern die Sorge für Leben und Gut der Bürger. In Elstorf wurde bereits 1882 eine Feuerwehr gegründet, denn mit der Lüneburgischen Feuerordnung von 1865 wurden zur Sicherheit für die Dörfer derartige Einrichtungen angestrebt. Die Elstorfer Feuerwehr war zunächst auch für die umliegenden Dörfer zuständig, bis sich in Wulmstorf und Daerstorf 1902 eigene Wehren gründeten. Auslöser für die Errichtung von Feuerwehren in Wulmstorf und Daerstorf war der verheerende Großbrand von 1901 in Wulmstorf. Innerhalb nur einer Stunde breitete sich das Feuer, begünstigt durch Trockenheit und starke Winde derart aus, dass 14 Gebäude vernichtet und 6 Familien obdachlos wurden. In den Harburger Anzeigen und Nachrichten vom 31. Mai und 01. Juni 1901 standen folgende Berichte: "Ein gewaltiges Schadenfeuer kam gestern nachmittag in Wulmstorf zum Ausbruch und zerstörte das Dorf, welches zu der wohlhabendsten unserer Gegend gehört, ungefähr zur Hälfte. Vier reiche Bauernhöfe mit vierzehn Gebäuden sind niedergebrannt. Das Feuer ist auf bisher nicht aufgeklärte Weise zum Ausbruch gekommen. Die Gebäude waren, weil sie mit Stroh gedeckt waren und sehr dicht beieinander standen, niedrig versichert. Das unversicherte Mobiliar ist fast sämtlich verbrannt, ebenso einige  Stück Vieh. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Verletzt ist nur der Gastwirt Johann Aldag aus Ovelgönne, der von der Spritze stürzte und sich ein Bein brach. Er wurde in das Buxtehuder Krankenhaus gebracht. Das so schön gelegene Dorf gewährt jetzt mit seinen Trümmerhaufen einen trostlosen Anblick. Beim dem Großfeuer in Wulmstorf sind, wie zur Ergänzung unserer gestrigen Mitteilung dienen mag die Gehöfte von Böhrs, Meyer, Martens und Lohmann nebst der Schule ein Raub der Flammen geworden. Das Feuer brach im Schulhaus aus (aber nicht durch Blitzschlag, wie man in Hamburger Blättern berichtet hat). Binnen eineinhalb Stunden war das halbe Dorf niedergebrannt".

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Die beiden Wehren in Wulmstorf und Daerstorf die daraufhin 1902 eingerichtet wurden, waren Pflichtfeuerwehren. Im Jahre 1908 war die erste große Bewährungsprobe für die beiden Feuerwehren und ihre Feuerspritzen. Beim Daerstorfer Landwirt Wilhelm Peters, der zusätzlich auf dem Hof noch eine Gastwirtschaftbetrieb, brannte das Wohn- und 

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Wirtschaftsgebäude. Bei den Löscharbeiten sollen sich einige Feuerwehrleute allzusehr mit den in der Gastwirtschaft befindlichen Alkoholvorräten beschäftigt haben, aber mit Hilfe benachbarter Feuerwehren konnte ein Übergreifen der Flammen auf Nachbargebäude verhindert werden.

1935 wurde das gesamte Feuerwehrwesen änderte: Die beiden eigenständigen Pflichtfeuerwehren wurden auf neuer freiwilliger Basis zur Feuerwehr Wulmstorf-Daerstorf zusammengelegt. Auch die Farbe der Uniformen änderte sich von den bislang grau-grünen zu den blauen. Anstatt des Lederhelmes wurde der Stahlhelm angeschafft, mit dem damals üblichen Nackenschutz und dem über der Helmmitte angebrachten Metallkamm zum Preis von RM 18,75 sowie breite Gurte. Der Name "Spritzenhaus" wurde in "Gerätehaus" umgeändert und aus dem Feuerwehrhauptmann wurde der Brand- bzw. Oberbrandmeister. Der Name "Feuerwehr" wird in den Jahren 1934-1945 aufgrund eines Reichserlasses in "Feuerschutzpolizei" umgeändert. Als sichtbares äußeres Zeichen wurden die Fahrzeuge von Rot auf Grün lackiert, und es setzte außerdem ein strenges Reglement ein. Neben den zwangsläufigen Luftschutzmaßnahmen, wurden die Kameraden auch zu Polizeieinsätzen abgestellt. Dabei war allerdings ausdrückliche Anordnung gegeben, dass die örtliche Polizei keine Befehlsgewalt über die Feuerwehr bei Bränden hatte. Kommando und Verantwortung für den jeweiligen Einsatz hatte lediglich der örtliche Führer. Innerhalb kürzester Zeit erreichte die Feuerwehr eine Mitgliederzahl von ca. 30 Mann, darunter waren auch aus Neu Wulmstorf, das in der Zwischenzeit zu einem ansehnlichen Ortsteil geworden war, neun Kameraden unter der Leitung von Johannes Becker. Stellvertretender Gemeindebrandmeister und Leiter der Gruppe aus Daerstorf wurde Löschmeister Ernst Wiegers. Es setzte nun ein regelmäßiger Dienstbetrieb ein, und auch die Ausbildung von neuen Feuerwehrkameraden. Im Laufe der Zeit wurde auch die Ausrüstung erneuert und verbessert, aber nach wie vor war man auf die beiden Handdruckspritzen zur Brandbekämpfung angewiesen. 

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1942 wurde die erste Motorspritze für die Wulmstorfer Feuerwehr angeschafft, es war eine Magirus TS8, die von einem Ackerschlepper gezogen wurde. Mit Anschaffung der TS8 hat die Feuerwehr erheblich an Schlagkraft gewonnen, aber die Ausbildung wurde nun umfangreicher. Die alten Handdruckspritzen waren relativ einfach zu bedienen gewesen, und alle Handgriffe waren jedem Feuerwehrmann vertraut, aber die neue Motorspritze war technisch anspruchsvoller. Wurden an den Handdruckspritzen noch viele Kameraden zum Pumpen eingesetzt, mussten jetzt nur noch die Saug- und Druckleitungen von wenigen verlegt werden. Hatten die alten Handdruckspritzen nur eine Schlauchleitung in Stärke eines C-Schlauches, so konnte man jetzt über B-Schläuche und Verteiler mit drei C-Schläuchen einen dreiteiligen Löschangriff ausführen. Während der schweren Bombenangriffe auf Hamburg in den Jahren 1942/43 musste die Feuerwehr aus Wulmstorf im Hamburger Stadtgebiet mehrmals bei Löscheinsätzen helfen. Nach Kriegsende wurden fast alle Vereinigungen aufgelöst, oder unter die Aufsicht der britischen Besatzungsmacht gestellt. Ausgenommen davon waren allerdings die Feuerwehren.

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Sie konnte die ihr gestellten Aufgaben gleich wieder übernehmen, aber es gab erhebliche Schwierigkeiten hinsichtlich der Einsatzfähigkeit. Bedingt durch den völligen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenbruch und der Zwangsbewirtschaftung war an eine Neuausrüstung der Feuerwehr nicht zu denken. Verbrauchtes Schlauchmaterial wurde nach besten Kräften notdürftig geflickt, Benzin für die TS8 gab es nur auf Bezugsscheine und jeder verbrauchte Liter Benzin musste nachgewiesen werden.

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Im Mai 1946 kam es zu einem der größten und gefahrvollsten Wald und Heidebrände in der Wulmstorfer und Fischbeker Heide überhaupt. Es fielen damals viele Hektar Wald den Flammen zum Opfer. Beginnend auf Höhe der noch heute bestehenden Segelflugschule, breitet sich der Waldbrand auf breiter Front südwärts aus. Begünstigt durch die um diese Jahreszeit oft herrschende Trockenperiode, fand das Feuer in dem fast nur mit Kiefern bewachsenen Gelände überreichlich Nahrung. Alle verfügbaren Einheiten aus Hamburg und unserer engeren Umgebung, Polizeieinheiten und die in der Fischbeker Kaserne stationierten britischen Militäreinheiten, beteiligten sich an der Brandbekämpfung. Unter tatkräftiger Mithilfe der damals in den Wochenendhäusern wohnenden Flüchtlinge und Ausgebombten sowie der ansässigen Bewohner des Tempelberges konnte das Feuer in der Nähe des Jungfrauenweges in der Wulmstorfer Heide gestoppt werden. Eine Winddrehung und der Übergang von Kiefern zum Mischwald haben die Löscharbeiten sehr erleichtert. Im Westen haben angrenzende Ackerflächen, im Osten das nur dünn mit Bäumen besetzte Fischbeker Trockental das Feuer aufgehalten. Der anschließend einsetzende Regen löschte die vielen Schwelbrände und befreite die Feuerwehren von der Brandstellenbewachung.

Im Jahr 1958 wurde für die altersschwache und nicht mehr immer einsatzbereite TS8 ein Tragkraftspritzenfahrzeug TSF auf Basis eines VW Transporters beschafft. Mit diesem Fahrzeug konnte die Schnelligkeit unserer Feuerwehr erheblich verbessert werden, denn man war nicht mehr auf fremde Zugfahrzeuge angewiesen. Stationiert wurde das Tragkraftspritzenfahrzeug im Gerätehaus in Wulmstorf. Mit der Gemeindereform, in Niedersachsen im Jahr 1972, änderten sich natürlich auch bei den Feuerwehren die örtlichen und überörtlichen Kommandostrukturen. Die Unterkreise lösten sich auf, die Feuerwehren behielten aber in den neugegliederten Einheits- und Samtgemeinden wesentlich ihre Selbständigkeit. Die Einheitsgemeinde Neu Wulmstorf wurde gebildet und die Gemeindefeuerwehr gegründet, bestehend aus den Ortsfeuerwehren Neu Wulmstorf, Elstorf, Rade und Rübke. Als größter Ortsteil der Gemeinde wurde die Freiwillige Feuerwehr Neu Wulmstorf zur Schwerpunktfeuerwehr und in den folgenden Jahren wurde die Schlagkraft der Feuerwehr durch Neuanschaffungen von Fahrzeugen, Geräten und Ausrüstung erheblich verbessert. Die ehemaligen Gemeindebrandmeister, behielten nun als Ortsbrandmeister, weiterhin die Leitung der einzelnen Ortsfeuerwehren. Zum neuen Gemeindebrandmeister wählten die Ortsbrandmeister der einzelnen Feuerwehren den bisherigen Brandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Elstorf, Horst Lüdemann, der dieses Amt noch bis zum Jahr 2002 ausübte. Im Jahr 1971 hat man sogar daran gedacht, auch in Neu Wulmstorf, eine Berufsfeuerwehr aufzubauen. Von diesem Vorhaben ist man aus Kostengründen abgegangen, aber schon in diesem Jahr hat man in weiser Voraussicht erkannt, dass die Freiwillige Feuerwehr in Neu Wulmstorf zu einer einsatzstarken Feuerwehr aufgebaut werden muss. 

2002 feierten wir mit einigen Veranstaltungen unser 100-jähriges Jubiläum

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